{"id":673,"date":"2026-09-25T07:34:49","date_gmt":"2026-09-25T06:34:49","guid":{"rendered":"https:\/\/aviculariaworld.com\/?p=673"},"modified":"2026-09-25T07:34:49","modified_gmt":"2026-09-25T06:34:49","slug":"caribena-versicolor-walckenaer-1837","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aviculariaworld.com\/en\/caribena-versicolor-walckenaer-1837\/","title":{"rendered":"Caribena versicolor (Walckenaer, 1837)"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"wp-block-heading\">Aussehen<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Caribena versicolor<\/em> geh\u00f6rt zweifellos zu den farbenpr\u00e4chtigsten Vogelspinnenarten der Welt. Adulte Weibchen erreichen eine K\u00f6rperl\u00e4nge von etwa 5 bis 6 cm, w\u00e4hrend ausgewachsene M\u00e4nnchen mit 3 bis 5 cm etwas kleiner bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Adultf\u00e4rbung zeichnet sich durch einen metallisch gr\u00fcn schimmernden Carapax, dunkel gef\u00e4rbte Beine mit r\u00f6tlich-violetter Behaarung sowie ein intensiv rot bis weinrot gef\u00e4rbtes Opisthosoma aus. Auf der Oberseite des Hinterleibs befindet sich ein deutlich sichtbarer Brennhaarspiegel. Die Tarsen erscheinen oftmals rosa bis pinkfarben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders auff\u00e4llig ist die F\u00e4rbung der Jungtiere. Spiderlinge besitzen zun\u00e4chst eine intensive stahlblaue bis t\u00fcrkisfarbene Grundf\u00e4rbung mit einem dunklen, charakteristischen Muster auf dem Opisthosoma. Die Umf\u00e4rbung beginnt gew\u00f6hnlich ab der f\u00fcnften bis sechsten Fresshaut und erfolgt \u00fcber mehrere H\u00e4utungen hinweg. Dabei entstehen zahlreiche \u00dcbergangsformen, bevor die Adultf\u00e4rbung vollst\u00e4ndig ausgepr\u00e4gt ist (STRIFFLER 2004).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen den Geschlechtern besteht kein ausgepr\u00e4gter Geschlechtsdimorphismus. Adulte M\u00e4nnchen wirken jedoch meist schlanker und erscheinen h\u00e4ufig etwas kontrastreicher gef\u00e4rbt als Weibchen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Systematik und Taxonomie<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th>Rang<\/th><th>Taxon<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Ordnung<\/td><td>Araneae<\/td><\/tr><tr><td>Unterordnung<\/td><td>Mygalomorphae<\/td><\/tr><tr><td>Familie<\/td><td>Theraphosidae<\/td><\/tr><tr><td>Unterfamilie<\/td><td>Aviculariinae<\/td><\/tr><tr><td>Gattung<\/td><td><em>Caribbean<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Art<\/td><td><em>Caribena versicolor<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Art wurde 1837 von Walckenaer als <em>Mygale versicolor<\/em> beschrieben (WALCKENAER 1837). Im Jahr 1892 stellte Simon die Art in die Gattung <em>Avicularia<\/em>, unter deren Namen sie \u00fcber mehr als ein Jahrhundert bekannt war (SIMON 1892).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge einer umfassenden Revision der Unterfamilie Aviculariinae wurde die neue Gattung <em>Caribbean<\/em> durch Fukushima und Bertani aufgestellt. Seit dieser Revision wird die Art als <strong>Caribena versicolor (Walckenaer, 1837)<\/strong> gef\u00fchrt (FUKUSHIMA &amp; BERTANI 2017).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gattung <em>Caribbean<\/em> umfasst derzeit lediglich zwei Arten, <em>C. versicolor<\/em> und <em>C. laeta<\/em>. Sie unterscheidet sich von den eigentlichen <em>Avicularia<\/em>-Arten unter anderem durch besonders lange und feine Typ-II-Brennhaare sowie durch Merkmale der m\u00e4nnlichen Geschlechtsorgane (FUKUSHIMA &amp; BERTANI 2017).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verbreitung und Habitat<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Caribena versicolor<\/em> ist auf die Karibikinsel Martinique endemisch und kommt ausschlie\u00dflich dort vor (STRIFFLER 2004; FUKUSHIMA &amp; BERTANI 2017).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Art bewohnt vor allem die feuchten Bergregenw\u00e4lder im Norden der Insel, wurde jedoch auch in niedriger gelegenen und etwas trockeneren Regionen nachgewiesen. Als typische Baumbewohnerin lebt sie in Astgabeln, Baumh\u00f6hlen, Bromelien, unter gro\u00dfen Bl\u00e4ttern sowie in Rindenspalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Klima Martinique ist tropisch gepr\u00e4gt. Die Temperaturen liegen ganzj\u00e4hrig meist zwischen 25 und 30 \u00b0C am Tag, w\u00e4hrend nachts Werte von etwa 20 bis 24 \u00b0C erreicht werden. Die h\u00f6chsten Niederschlagsmengen treten w\u00e4hrend der sommerlichen Regenzeit auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch Rodungen und die fortschreitende Ver\u00e4nderung nat\u00fcrlicher Waldfl\u00e4chen wird der Lebensraum der Art lokal beeintr\u00e4chtigt (STRIFFLER 2004).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lebensweise<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Caribena versicolor<\/em> ist eine strikt arboreale Vogelspinne, die ausgedehnte Wohngespinste in Asth\u00f6hlen, Blattans\u00e4tzen oder anderen gesch\u00fctzten Strukturen anlegt. H\u00e4ufig werden Teile der umgebenden Vegetation in das Gespinst eingearbeitet, wodurch das Versteck zus\u00e4tzlich getarnt wird (CHARPENTIER 1992).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tags\u00fcber halten sich die Tiere meist in ihren Wohnr\u00f6hren auf. In den Abend- und Nachtstunden lauern sie am Eingang des Gespinstes auf vorbeikommende Beutetiere. Zum Nahrungsspektrum z\u00e4hlen vor allem Insekten, gelegentlich werden jedoch auch kleine Fr\u00f6sche oder andere kleine Wirbeltiere erbeutet (CHARPENTIER 1992).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zu vielen anderen Vogelspinnen gilt die Art als wenig aggressiv. Bei St\u00f6rungen versucht sie zun\u00e4chst zu fliehen. Wird sie weiter bedr\u00e4ngt, k\u00f6nnen Brennhaare eingesetzt oder Kotstrahlen in Richtung des Angreifers abgegeben werden. Ein Biss stellt gew\u00f6hnlich die letzte Verteidigungsma\u00dfnahme dar.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fortpflanzung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter g\u00fcnstigen Bedingungen erreichen sowohl Weibchen als auch M\u00e4nnchen nach etwa zwei bis drei Jahren die Geschlechtsreife (STRIFFLER 2004).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Paarungen verlaufen meist friedlich. Nach erfolgreicher Verpaarung fertigt das Weibchen gew\u00f6hnlich nach etwa zwei bis drei Monaten einen Kokon an. Die Anzahl der Eier h\u00e4ngt vom Alter und Ern\u00e4hrungszustand des Weibchens ab. Junge Weibchen produzieren h\u00e4ufig 50 bis 80 Eier, w\u00e4hrend gro\u00dfe adulte Weibchen Kokons mit mehr als 200 Eiern hervorbringen k\u00f6nnen (STRIFFLER 2004).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklungsdauer im Kokon betr\u00e4gt etwa acht Wochen. Nach dem Schlupf verbleiben die Nymphen h\u00e4ufig noch kurze Zeit in der Wohnr\u00f6hre der Mutter, bevor sie diese verlassen und sich selbstst\u00e4ndig machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Haltung und Zucht im Terrarium<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Caribena versicolor<\/em> z\u00e4hlt seit vielen Jahren zu den beliebtesten Baumvogelspinnen in der Terraristik. Ausschlaggebend hierf\u00fcr sind die au\u00dfergew\u00f6hnliche F\u00e4rbung in allen Entwicklungsstadien, die attraktiven Wohngespinste sowie das \u00fcberwiegend ruhige Wesen der Tiere (STRIFFLER 2004).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Terrarium<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ein adultes Tier empfiehlt sich ein Terrarium mit Mindestma\u00dfen von etwa 30 \u00d7 30 \u00d7 45 cm (L \u00d7 B \u00d7 H). Da es sich um eine baumbewohnende Art handelt, ist die H\u00f6he wichtiger als eine gro\u00dfe Grundfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einrichtung sollte zahlreiche Kletterm\u00f6glichkeiten bieten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Korkr\u00f6hren oder Korkplatten<\/li>\n\n\n\n<li>\u00c4ste und Wurzeln<\/li>\n\n\n\n<li>lebende oder k\u00fcnstliche Pflanzen<\/li>\n\n\n\n<li>Ansatzpunkte f\u00fcr den Gespinstbau<\/li>\n\n\n\n<li>eine st\u00e4ndig verf\u00fcgbare Wasserschale<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klima<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bew\u00e4hrte Haltungsparameter sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Tagestemperatur: 24 bis 28 \u00b0C<\/li>\n\n\n\n<li>Nachttemperatur: 20 bis 23 \u00b0C<\/li>\n\n\n\n<li>Luftfeuchtigkeit: 70 bis 85 %<\/li>\n\n\n\n<li>gute Quer- oder Doppell\u00fcftung<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig ist eine ausgezeichnete Bel\u00fcftung. Moderne Haltungsans\u00e4tze messen der Luftzirkulation oft gr\u00f6\u00dfere Bedeutung bei als einer dauerhaft hohen Luftfeuchtigkeit. Vor allem Jungtiere reagieren empfindlich auf dauerhaft stickige und feuchtwarme Bedingungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aufzucht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spiderlinge sollten grunds\u00e4tzlich einzeln aufgezogen werden. Eine leicht feuchte Haltung mit guter Bel\u00fcftung und regelm\u00e4\u00dfigen Trockenphasen hat sich bew\u00e4hrt. Bereits in fr\u00fchen Entwicklungsstadien kann bei Gemeinschaftshaltung Kannibalismus auftreten (STRIFFLER 2004).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zucht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachzucht gelingt regelm\u00e4\u00dfig und wird weltweit erfolgreich durchgef\u00fchrt. Nach einer erfolgreichen Verpaarung und anschlie\u00dfender leichter Erh\u00f6hung der Feuchtigkeit erfolgt der Kokonbau meist innerhalb weniger Monate. Aufgrund ihrer guten Nachzuchtquote geh\u00f6rt die Art heute zu den am h\u00e4ufigsten gepflegten Baumvogelspinnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>CHARPENTIER, P.<\/strong> (1992): <em>The Genus Avicularia<\/em>. Exothemae.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FUKUSHIMA, C.S. &amp; BERTANI, R.<\/strong> (2017): <em>Taxonomic revision and cladistic analysis of Avicularia Lamarck, 1818 (Araneae, Theraphosidae, Aviculariinae) with description of three new aviculariine genera<\/em>. ZooKeys 659: 1-185.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>SIMON, E.<\/strong> (1892): <em>Histoire naturelle des araign\u00e9es<\/em>. Paris.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>STRIFFLER, B.F.<\/strong> (2004): <em>Die Martinique-Baumvogelspinne (Avicularia versicolor) + Avicularia minatrix, A. purpurea &amp; A. laeta<\/em>. Natur und Tier Verlag, M\u00fcnster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>WALCKENAER, C.A.<\/strong> (1837): <em>Histoire naturelle des insectes. Apt\u00e8res. Tome premier<\/em>. Paris.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aussehen Caribena versicolor geh\u00f6rt zweifellos zu den farbenpr\u00e4chtigsten Vogelspinnenarten der Welt. Adulte Weibchen erreichen eine K\u00f6rperl\u00e4nge von etwa 5 bis 6 cm, w\u00e4hrend ausgewachsene M\u00e4nnchen mit 3 bis 5 cm etwas kleiner bleiben. 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