Caribena versicolor (Walckenaer, 1837)
Aussehen
Caribena versicolor gehört zweifellos zu den farbenprächtigsten Vogelspinnenarten der Welt. Adulte Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6 cm, während ausgewachsene Männchen mit 3 bis 5 cm etwas kleiner bleiben.
Die Adultfärbung zeichnet sich durch einen metallisch grün schimmernden Carapax, dunkel gefärbte Beine mit rötlich-violetter Behaarung sowie ein intensiv rot bis weinrot gefärbtes Opisthosoma aus. Auf der Oberseite des Hinterleibs befindet sich ein deutlich sichtbarer Brennhaarspiegel. Die Tarsen erscheinen oftmals rosa bis pinkfarben.
Besonders auffällig ist die Färbung der Jungtiere. Spiderlinge besitzen zunächst eine intensive stahlblaue bis türkisfarbene Grundfärbung mit einem dunklen, charakteristischen Muster auf dem Opisthosoma. Die Umfärbung beginnt gewöhnlich ab der fünften bis sechsten Fresshaut und erfolgt über mehrere Häutungen hinweg. Dabei entstehen zahlreiche Übergangsformen, bevor die Adultfärbung vollständig ausgeprägt ist (STRIFFLER 2004).
Zwischen den Geschlechtern besteht kein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Adulte Männchen wirken jedoch meist schlanker und erscheinen häufig etwas kontrastreicher gefärbt als Weibchen.
Systematik und Taxonomie
| Rang | Taxon |
|---|---|
| Ordnung | Araneae |
| Unterordnung | Mygalomorphae |
| Familie | Theraphosidae |
| Unterfamilie | Aviculariinae |
| Gattung | Caribbean |
| Art | Caribena versicolor |
Die Art wurde 1837 von Walckenaer als Mygale versicolor beschrieben (WALCKENAER 1837). Im Jahr 1892 stellte Simon die Art in die Gattung Avicularia, unter deren Namen sie über mehr als ein Jahrhundert bekannt war (SIMON 1892).
Im Zuge einer umfassenden Revision der Unterfamilie Aviculariinae wurde die neue Gattung Caribbean durch Fukushima und Bertani aufgestellt. Seit dieser Revision wird die Art als Caribena versicolor (Walckenaer, 1837) geführt (FUKUSHIMA & BERTANI 2017).
Die Gattung Caribbean umfasst derzeit lediglich zwei Arten, C. versicolor und C. laeta. Sie unterscheidet sich von den eigentlichen Avicularia-Arten unter anderem durch besonders lange und feine Typ-II-Brennhaare sowie durch Merkmale der männlichen Geschlechtsorgane (FUKUSHIMA & BERTANI 2017).
Verbreitung und Habitat
Caribena versicolor ist auf die Karibikinsel Martinique endemisch und kommt ausschließlich dort vor (STRIFFLER 2004; FUKUSHIMA & BERTANI 2017).
Die Art bewohnt vor allem die feuchten Bergregenwälder im Norden der Insel, wurde jedoch auch in niedriger gelegenen und etwas trockeneren Regionen nachgewiesen. Als typische Baumbewohnerin lebt sie in Astgabeln, Baumhöhlen, Bromelien, unter großen Blättern sowie in Rindenspalten.
Das Klima Martinique ist tropisch geprägt. Die Temperaturen liegen ganzjährig meist zwischen 25 und 30 °C am Tag, während nachts Werte von etwa 20 bis 24 °C erreicht werden. Die höchsten Niederschlagsmengen treten während der sommerlichen Regenzeit auf.
Durch Rodungen und die fortschreitende Veränderung natürlicher Waldflächen wird der Lebensraum der Art lokal beeinträchtigt (STRIFFLER 2004).
Lebensweise
Caribena versicolor ist eine strikt arboreale Vogelspinne, die ausgedehnte Wohngespinste in Asthöhlen, Blattansätzen oder anderen geschützten Strukturen anlegt. Häufig werden Teile der umgebenden Vegetation in das Gespinst eingearbeitet, wodurch das Versteck zusätzlich getarnt wird (CHARPENTIER 1992).
Tagsüber halten sich die Tiere meist in ihren Wohnröhren auf. In den Abend- und Nachtstunden lauern sie am Eingang des Gespinstes auf vorbeikommende Beutetiere. Zum Nahrungsspektrum zählen vor allem Insekten, gelegentlich werden jedoch auch kleine Frösche oder andere kleine Wirbeltiere erbeutet (CHARPENTIER 1992).
Im Vergleich zu vielen anderen Vogelspinnen gilt die Art als wenig aggressiv. Bei Störungen versucht sie zunächst zu fliehen. Wird sie weiter bedrängt, können Brennhaare eingesetzt oder Kotstrahlen in Richtung des Angreifers abgegeben werden. Ein Biss stellt gewöhnlich die letzte Verteidigungsmaßnahme dar.
Fortpflanzung
Unter günstigen Bedingungen erreichen sowohl Weibchen als auch Männchen nach etwa zwei bis drei Jahren die Geschlechtsreife (STRIFFLER 2004).
Die Paarungen verlaufen meist friedlich. Nach erfolgreicher Verpaarung fertigt das Weibchen gewöhnlich nach etwa zwei bis drei Monaten einen Kokon an. Die Anzahl der Eier hängt vom Alter und Ernährungszustand des Weibchens ab. Junge Weibchen produzieren häufig 50 bis 80 Eier, während große adulte Weibchen Kokons mit mehr als 200 Eiern hervorbringen können (STRIFFLER 2004).
Die Entwicklungsdauer im Kokon beträgt etwa acht Wochen. Nach dem Schlupf verbleiben die Nymphen häufig noch kurze Zeit in der Wohnröhre der Mutter, bevor sie diese verlassen und sich selbstständig machen.
Haltung und Zucht im Terrarium
Caribena versicolor zählt seit vielen Jahren zu den beliebtesten Baumvogelspinnen in der Terraristik. Ausschlaggebend hierfür sind die außergewöhnliche Färbung in allen Entwicklungsstadien, die attraktiven Wohngespinste sowie das überwiegend ruhige Wesen der Tiere (STRIFFLER 2004).
Terrarium
Für ein adultes Tier empfiehlt sich ein Terrarium mit Mindestmaßen von etwa 30 × 30 × 45 cm (L × B × H). Da es sich um eine baumbewohnende Art handelt, ist die Höhe wichtiger als eine große Grundfläche.
Die Einrichtung sollte zahlreiche Klettermöglichkeiten bieten:
- Korkröhren oder Korkplatten
- Äste und Wurzeln
- lebende oder künstliche Pflanzen
- Ansatzpunkte für den Gespinstbau
- eine ständig verfügbare Wasserschale
Klima
Bewährte Haltungsparameter sind:
- Tagestemperatur: 24 bis 28 °C
- Nachttemperatur: 20 bis 23 °C
- Luftfeuchtigkeit: 70 bis 85 %
- gute Quer- oder Doppellüftung
Besonders wichtig ist eine ausgezeichnete Belüftung. Moderne Haltungsansätze messen der Luftzirkulation oft größere Bedeutung bei als einer dauerhaft hohen Luftfeuchtigkeit. Vor allem Jungtiere reagieren empfindlich auf dauerhaft stickige und feuchtwarme Bedingungen.
Aufzucht
Spiderlinge sollten grundsätzlich einzeln aufgezogen werden. Eine leicht feuchte Haltung mit guter Belüftung und regelmäßigen Trockenphasen hat sich bewährt. Bereits in frühen Entwicklungsstadien kann bei Gemeinschaftshaltung Kannibalismus auftreten (STRIFFLER 2004).
Zucht
Die Nachzucht gelingt regelmäßig und wird weltweit erfolgreich durchgeführt. Nach einer erfolgreichen Verpaarung und anschließender leichter Erhöhung der Feuchtigkeit erfolgt der Kokonbau meist innerhalb weniger Monate. Aufgrund ihrer guten Nachzuchtquote gehört die Art heute zu den am häufigsten gepflegten Baumvogelspinnen.
Literatur
CHARPENTIER, P. (1992): The Genus Avicularia. Exothemae.
FUKUSHIMA, C.S. & BERTANI, R. (2017): Taxonomic revision and cladistic analysis of Avicularia Lamarck, 1818 (Araneae, Theraphosidae, Aviculariinae) with description of three new aviculariine genera. ZooKeys 659: 1-185.
SIMON, E. (1892): Histoire naturelle des araignées. Paris.
STRIFFLER, B.F. (2004): Die Martinique-Baumvogelspinne (Avicularia versicolor) + Avicularia minatrix, A. purpurea & A. laeta. Natur und Tier Verlag, Münster.
WALCKENAER, C.A. (1837): Histoire naturelle des insectes. Aptères. Tome premier. Paris.
